USA: Der «Hörner-Mann» will im 2. Amtsenthebungsverfahren gegen Trump aussagen

Q wie Quatsch. Jacob Chansley, besser bekannt unter dem Namen «Hörner-Mann» oder unter seinem Fantasienamen «Jake Angeli», wurde wegen der Teilnahme an der Stürmung des US-Kapitols in Washington am 6. Januar verhaftet. Nun möchte er vor dem Senat beim Amtsenthebungsverfahren gegen Trump aussagen.

(Lesezeit: ca. 4 Minuten | Aktualisiert: 30.01.2021, 20:12)

Die Bilder gingen um die Welt, auf Social Media, in den Printmedien oder im Fernsehen. Als in Washington am geschichtsträchtigen 6. Januar 2021 eine Horde von radikalisierten und, nicht nur von Trump, aufgehetzten Trump-Anhängern gewaltsam in das US-Kapitol eindrangen, fiel besonders Jacob Chansley auf. Fotos und Videos zeigen ihn an vorderster Front der Extremisten, deren Ausschreitung 5 Menschenleben forderte, darunter einen Polizisten.

Der Bison-Mann trägt, um Aufsehen zu erregen, als Verkleidung eine skurrile Kopftracht mit Bisonhörnern und einem Kojotenfell mit zwei Schwänzen. Er wurde bereits früher mit verschwörungsbehauptenden Schildern fotografiert. Die US-amerikanische Bundespolizei FBI sucht auch heute noch z.B. auf Twitter mit Fotos nach Teilnehmern der gewalttätigen Krawalle. Der «Hörner-Mann» ist einer der inzwischen Verhafteten.

Er war nicht der Einzige, der deshalb noch auf eine Begnadigung durch Donald Trump vor der Amtsübergabe an Joe Biden hoffte. Schliesslich war es Trump selber, der seine Anhängerschaft am 6. Januar in Washington aufrief, zum Kapitol zu ziehen und zu kämpfen. Das FBI hat bisher rund 400 Verdächtige identifiziert und 135 Personen verhaftet.

So auch Jenna Ryan: das FBI kassierte die Immobilienmaklerin aus Texas ein, weil sie an der Stürmung des Kapitols teilnahm. Die Frau meinte im US-TV, sie habe das nur gemacht, weil Donald Trump dazu aufgerufen habe. Deshalb sieht sie sich selbst nicht als Kriminelle.

Ryan war mit einem Privatjet nach Washington geflogen und hörte auf ihren Präsidenten: «Ich hörte auf meinen Präsidenten, der mit sagte, ich solle zum Kapitol gehen» (t-online.de). Ihr wird vorgeworfen, die Regierungsgeschäfte unterbrochen und unbefugt Gebäude betreten zu haben. Sie hoffte auf Begnadigung durch Donald Trump.

 

 

Begnadingung durch Trump blieb aus

So hoffte auch der 1988 geborene Jacob Chansley, dass Trump ihn vor seiner Absetzung als US-Präsident noch begnadigen würde. Doch weder Chansley noch Ryan erhielten ein «Pardon» von Trump. Zumindest der «Hörner-Mann» fühlt sich deshalb scheinbar von Trump verraten. Unter anderem der businessinsider.com berichtet, dass der «QAnon-Schamane» sagte, dass er bereit sei, bei Trumps Amtsenthebungsverfahren auszusagen – gegen den Ex-Präsidenten.

Albert S. Whatley, der Anwalt von Chansley, teilte demnach mit, dass der «Hörner-Mann» angeboten habe, am zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen Trump auszusagen. Trumps zweites Impeachment soll am 8. Februar beginnen. Auch Chansley argumentierte, dass er «auf Wunsch des Präsidenten, dass alle Patrioten am 6. Januar nach DC kommen sollten, ins Kapitol gekommen sei.».

Chansley ist Verschwörungsgläubiger, er trägt gern ein Schild, auf dem steht, dass «Q» ihn gesendet hätte. Laut Wikipedia protestierte er 2020 gegen Schutzmassnahmen und die Schliessung von Geschäften aufgrund der COVID-19-Pandemie in den USA.

Er war laut Eigenaussage gegenüber dem FBI am 6. Januar mit einer Gruppe aus Arizona angereist, er war es, der sich auf den Stuhl des Vizepräsidenten Mike Pence setzte. Auf dem Schreibtisch des Vize-Präsidenten hinterliess Chansley eine Notiz. Auf dem Zettel stand «It’s only a matter of time, justice is coming.», was übersetzt soviel bedeutet wie «Es ist nur eine Frage der Zeit, Gerechtigkeit wird kommen».

«Er erschien mit unbekleidetem Oberkörper und trug im Gesicht rot-weiß-blaue Farbe (die Farben der Flagge der Vereinigten Staaten), auf dem Kopf eine Schamanen-Kopftracht mit Bisonhörnern und Kojotenfell mit zwei Schwänzen sowie eine Lanze mit der Nationalfahne bei sich. Die zur Schau gestellten Tätowierungen auf Bauch und Brust stellen Valknut, Yggdrasil und Mjölnir dar. Die Mauersteine sollen die von Trump geplante Mauer an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko symbolisieren.» (de.wikipedia.org)

Demnach hatte die US-Polizei sogar 1000 US-Dollar für Informationen zu seiner Identität ausgesprochen. Obwohl der Mann bereits vorher aufgefallen ist. Seinesgleichen, die Rechte Twitterblase, führte beispielsweise den «entlastenden» Fakt an, dass Chansley auch an einer «Black Lives Matter»-Demo fotografiert wurde. Deshalb wird mithin behauptet, die Angreifer des 6. Januar seien linke «Antifa».

Der Hörner-Mann lehnte laut seiner Mutter das Gefängnisessen ab, da es nicht «bio» sei. Nun will er gegen Trump klagen, er, der von Trump angestiftet und nicht begnadigt worden sei. Die US-Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Chansley weiter gegen Joe Biden Aufstand plane, deshalb bleibt der Mann hinter «Schwedischen Gardinen».

Vorwurf an Chansley: «„knowingly entering or remaining in any restricted building or grounds without lawful authority, and with violent entry and disorderly conduct on Capitol grounds“» (eu.azcentral.com)

In Reaktion auf die Spekulation des ehemaligen Trump-Wahlkampfanwalts Lin Wood (inzwischen auf Twitter gesperrt), Chansley sei «Antifa», schrieb Chansley damals, auf seinem mittlerweile ebenfalls gesperrten Twitter-Account @USAwolfpack : «Mr. Wood. I am not antifa or blm. I’m a Qanon & digital soldier. My name is Jake & I marched with the police & fought against BLM & ANTIFA [in] PHX.».

Das bedeutet auf Deutsch nichts anderes, als dass der Hörner-Mann der «False Flag»-Theorie von Lin L. Wood klar widerspricht und erklärt, dass er «Qanon»-Anhänger, also rechtsextremer Verschwörungsanhänger, ist. Zu diesem Schluss kommt auch ein Fakten-Check von snopes.com.
(Alle Original-Tweets/Accounts zu diesem Absatz gesperrt, gelöscht, suspendiert.)

 

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